Gleitender Durchschnittspreis bei IBKR: so rechnet man
Aktualisiert: 21.10.2026
Warum in Österreich der gleitende Durchschnittspreis statt FIFO gilt, wie Nachkäufe ihn verändern und warum IBKR-Spesen nicht zählen – mit Beispiel.
In Österreich ermitteln Sie Kursgewinne aus Aktien, ETFs und Anleihen mit dem gleitenden Durchschnittspreis (§ 27a Abs. 4 Z 3 EStG): Alle Käufe desselben Wertpapiers werden in Euro zu einem Durchschnitt zusammengefasst, und jeder Verkauf wird mit diesem Durchschnitt bewertet. Spesen bleiben dabei außen vor. Die Gewinnzahlen im IBKR-Auszug folgen dagegen meist FIFO und sind für die E1kv nicht direkt verwendbar.
Was das Gesetz verlangt
Kaufen Sie dasselbe Wertpapier, also dieselbe ISIN, zu verschiedenen Zeitpunkten, sind die Anschaffungskosten im Privatvermögen nach dem gleitenden Durchschnittspreis in Euro anzusetzen. Deutschland arbeitet mit FIFO, die USA erlauben die Auswahl einzelner Tranchen – für Österreich zählt nur der Durchschnitt. Das betrifft vor allem Anleger mit Sparplänen oder regelmäßigen Nachkäufen, denn dort wächst der Unterschied zur FIFO-Rechnung mit jeder Transaktion.
So funktioniert die Rechnung
- Jeden Kauf mit Datum, Stückzahl und Kurs aus dem IBKR-Jahresauszug notieren, auch aus früheren Jahren.
- Den Kaufpreis ohne Kommission zum Tageskurs in Euro umrechnen.
- Den neuen Durchschnitt bilden: bisheriger Bestand mal alter Durchschnitt plus neuer Kauf in Euro, geteilt durch die neue Stückzahl.
- Beim Verkauf den Erlös ohne Gebühren zum Tageskurs in Euro umrechnen und davon Stückzahl mal Durchschnittspreis abziehen.
- Den Durchschnitt nach dem Verkauf unverändert lassen. Er ändert sich erst mit dem nächsten Kauf.
- Gewinne in KZ 994 eintragen, Verluste in KZ 892.
Rechenbeispiel mit drei Käufen
Sie kaufen 10 Aktien zu 100 $, der Dollar steht bei 0,90 €: 900 €. Später kaufen Sie 10 Stück zu 120 $ bei 0,95 €: 1.140 €. Ihr Durchschnittspreis: (900 + 1.140) / 20 = 102 € je Aktie.
Dann verkaufen Sie 15 Stück zu 130 $ bei einem Kurs von 0,92 €. Der Erlös beträgt 1.950 $ oder 1.794 €. Gewinn: 1.794 − 15 × 102 = 264 €. Es bleiben 5 Aktien mit einem Durchschnitt von 102 €, zusammen 510 €.
Nun kaufen Sie 10 Stück zu 90 $ bei 0,93 € nach, das sind 837 €. Neuer Durchschnitt: (510 + 837) / 15 = 89,80 €.
Zum Vergleich nach FIFO: Die 15 verkauften Stück wären die ersten 10 zu 90 € und 5 aus dem zweiten Kauf zu 114 €, zusammen 1.470 € Anschaffungskosten. Der Gewinn läge bei 324 €. Wer die FIFO-Zahl aus dem Auszug übernimmt, erklärt hier 60 € zu viel und zahlt 16,50 € zu viel KESt – in anderen Konstellationen ist es umgekehrt, und dann fehlt Steuer.
Spesen bleiben außen vor
Im Privatvermögen sind Anschaffungsnebenkosten nicht abzugsfähig. Die Kommission beim Kauf erhöht die Anschaffungskosten nicht, die Gebühr beim Verkauf mindert den Erlös nicht. Dasselbe gilt für Börsenentgelte, Datenabos und Zinsen für Wertpapierkredite. Das ist ein klarer Unterschied zu Deutschland, wo Transaktionskosten den Gewinn mindern.
Währungseffekte
Jeder Kauf wird zum Kurs seines Tages umgerechnet, der Verkauf zum Kurs des Verkaufstages. Steigt der Dollar zwischen Kauf und Verkauf, entsteht ein steuerpflichtiger Gewinn, selbst wenn die Aktie in Dollar unverändert geblieben ist. Fällt der Dollar, kann aus einem Dollar-Gewinn ein Euro-Verlust werden. Maßgeblich ist immer das Ergebnis in Euro.
Altvermögen
Aktien und Fondsanteile, die vor dem 1. Jänner 2011 gekauft wurden, gehören zum Altvermögen. Ihre Kursgewinne sind steuerfrei. Für alles, was danach gekauft wurde, gilt die Besteuerung mit 27,5 %. Bei IBKR-Konten spielt das selten eine Rolle, bei übertragenen Altbeständen aber sehr wohl – dann brauchen Sie die ursprünglichen Kaufbelege.
Häufige Fehler
- Den realisierten Gewinn aus dem IBKR-Auszug übernehmen, der nach FIFO oder einer anderen Methode berechnet ist.
- Kommissionen in die Anschaffungskosten einrechnen oder vom Erlös abziehen.
- Den Durchschnitt nur aus den Käufen des laufenden Jahres bilden und frühere Jahre vergessen.
- Mit einem Jahresdurchschnittskurs statt mit dem Tageskurs umrechnen.
- Bei ETFs vergessen, dass versteuerte ausschüttungsgleiche Erträge die Anschaffungskosten erhöhen.
Über mehrere Jahre und Dutzende Nachkäufe wird der Durchschnittspreis schnell unübersichtlich, und ein einziger vergessener Kauf verfälscht jeden späteren Verkauf. Laden Sie Ihre IBKR-Auszüge bei Brokers.tax hoch: Der Durchschnittspreis wird für jedes Wertpapier über alle hochgeladenen Jahre in Euro und ohne Spesen gebildet, so wie es das Gesetz verlangt.